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Tatort Wiesbaden "Im Schmerz Geboren" - genial grotesk oder total daneben?

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Tatort Wiesbaden - "Im Schmerz Geboren": Was war das am gestrigen Sonntagabend? Der Tatort sollte gesendet werden und dann begann es so: Getönte Farben, Hamlet-Zitate, Western-ähnlicher Mordauftakt mit drei Toten. Es ging weiter mit vielen (vielen!) Toten, Vätern und Söhnen, der großen, alten Liebe, Drogenkartellen, klugen und dummen Killern, einem hochkultivierten Oberkiller und einem wahren Blutrausch. Es gab insgesamt fünf Shakespeare-Akte, viele Shakespeare-Zitate, Taratino-Splatter-Effekte und alles untermalt mit stimmungsvoller Musik. Genial? Oder zu grotesk?

War das wirklich ein Tatort? Und musste das sein?

Es war der vierte Fall von LKA-Ermittler Felix Murot, gespielt von Schauspieler Ulrich Tukur. Und es ging hier nicht um das wahre Leben, um deutsche Straßen, gewöhnliche Kriminelle und tapfere, mehr oder weniger witzige Kommissare, die eben ihren Job (natürlich erfolgreich) machen. Hier ging es um Fiktion, etwas, das dann zu einer Art Wirklichkeit wird. Und so wurde aus dem Sonntagsabend-Krimi ein Fernseherlebnis. Mit Spannung und Witz und super Bildern.

Was sich weiter als Frage stellt

Kann ein öffentlich rechtliches Fernsehen wirklich so etwas leisten? Offenbar ja. Sollte es das dann vielleicht öfters tun? Respekt zollen kann man Autor, Regisseur und Produzent für ihren Mut - noch mehr Respekt kann man ihnen zollen für das gelungene Ergebnis. An dieser Stelle waren die Rundfunkgebühren nämlich wirklich mal ganz gut investiert… Und um es nocheinmal lobend zu unterstreichen - der Plot war gelungen. In den USA hätte man daraus vermutlich gleich eine ganze Serie gemacht…

Die Meinungen zum Tatort Wiesbaden scheiden sich aber dennoch - Zielgruppe des Sonntagabden-Vergnügens ist nicht alle jung und Taratino-besessen. Sondern auch konservativ. Das ist ok. Aber so ein ganz klein wenig Abwechslung ist gut. Zum Aufwachen. Und Hinsehen. Um nicht immer nur im Ermittlungstakt mitzuschnarchen.

Die Anzahl der Toten im Tatort Wiesbaden

Selbst der Til-Schweiger-Tatort aus Hamburg sah gegen die Spielcasino-Sezene ziemlich alt aus: Im Tatort Wiesbaden wurden 47 Charaktere erschossen, einer wurde ertränkt, einer erwürgt. Die Schwerverletzten sind ungezählt - es waren viele. Insgesamt flossen rund 30 Liter Theater-Blut. Die Musik wurde teilweise extra vom HR-Orchester eingespielt. Die Kosten für das besondere Tatort-Stück lagen aber dennoch nicht höher als bei einem normalen Tatort - 1,7 Millionen wurden darauf verwendet.

Und wie wird der nächste Wiesbaden-Tatort?

Laut Schauspieler Tukur wird es beim nächsten Mal nicht so gewalttätig zugehen. Zur Zeitschrift Bild sagte er: "Das nächste Drehbuch, das wir in Angriff nehmen, ist gänzlich anderer Machart. Da spielt Gewalt überhaupt keine Rolle." Wir sind sehr gespannt!

Die Kommentare auf Twitter zum Tatort Wiesbaden:

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