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"Tage und Wolken" und "Berlin Calling" - Kino im Oktober

Die weiteren Filmtipps für den Kino-Oktober sind "Tage und Wolken" und "Berlin Calling". In beiden Dramen verlieren die Protagonisten etwas. Einmal ist es das luxuriöse Leben im italienischen Wohlstand. Das andere Mal die Kontrolle über sich selbst in der Berliner Techno-Szene der 90er-Jahre.

In "Tage und Wolken" scheint es dem Ehepaar Elsa (Margherita Buy) und Michele (Antonio Albanese) an nichts zu mangeln. Haus, Segeljacht und Luxusurlaube haben die Latte hochgelegt für das, was sie als normal empfinden. Als Michele seinen Geschäftsführerposten verliert folgte der prompte Absturz. Die beiden müssen allen Luxus aufgeben, in einer Hochhaussiedlung ziehen und sich mit kleinen Jobs durchschlagen. Dadurch verlieren sich nicht nur ihren gesellschaftlichen Status, sondern auch langsam den Glauben in ihre Ehe.

Trailer zum italienisch-schweizerischen Sozialdrama "Tage und Wolken"

Der Regisseur Silvio Soldini wagt sich hier zumeist mit einer Handkamera bewaffnet sehr nah an seine Figuren heran. Dadurch ist der Verfall von Luxus, Status und Vertrauen zu einander auch um so deutlicher erkennbar. Wie in seinen Filmen "Brot & Tulpen" und "Agata und der Sturm" zeigt Soldini wie sich Menschen mehr oder weniger unfreiwillig wandeln und portraitiert zugleich den gesamten italienischen Mittelstand. Die vielseitigen Folgen eines solchen Verlustes könnten authentischer kaum dargestellt werden.

Der Musiker Martin (Paul Kalkbrenner) aus "Berlin Calling" führt ebenfalls ein Leben auf der Überholspur. Als Berliner Techno-DJ in den 90ern lässt es sich in dem zeitgemäßen Meer aus Drogen, Sex und Musik treiben und nimmt nebenbei noch sein Album auf, welches sein großer Hit werden soll. Doch soweit soll es gar nicht kommen. Einer seiner Trips bringt ihn ins Krankenhaus und anschließend in einen Entzug. In der Klinik um Ärztin Dr. Paul (Corinna Harfouch) hält der Freigeist es mehr schlecht als recht aus, so dass er anfangen muss, sich mit seinen Problemen auf eine andere Art auseinanderzusetzen.

Musik, Parties und Entzug in der deutschen Tragikkomödie "Berlin Calling"

Auch der musikalische Film von Hannes Stöhr portraitiert den Ausschnitt einer Gesellschaft, nämlich die dunkle Seite der Berliner Techno-Szene in den 90ern. Inhaltlich hält Stöhr locker den tragikomischen Ton, wenn er seine Hauptfigur mit der für ihn alptraumhaften Realität konfrontiert. Formal ordnet er sich mutig irgendwo zwischen "Trainspotting" und "Einer flog über das Kuckucksnest" ein. Das funktioniert hier vor allem, weil der Hauptdarsteller und DJ Paul Kalkbrenner trotz fehlender Erfahrung ein glänzendes Kinodebüt spielt.

Insgesamt sprechen die Kinotipps im Oktober für die hässliche Realität auf der Leinwand, wenn sie nötig ist. Die authentische Auseinandersetzung mit Verlusten und persönlichen Albträumen, zuletzt das macht die Filme "Tage und Wolken" und "Berlin Calling" grundsätzlich sehenswert.

Quelle: kino.de
Bild: Movienetfilm.de, Berlin-Calling.de

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