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Neue Kunst - Abtreibung und Sterben live

Der deutsche Künstler Gregor Schneider möchte gerne jemanden ausstellen, der stirbt oder gerade gestorben ist. Grund genug, um in Deutschlands Feuilletons und Internetforen zu diskutieren, was Kunst darf und was nicht.

Dabei sollte die eigentliche Frage lauten, ob es sich um eine Schockstrategie handelt, um bekannter zu werden. Schließlich sind es immer dieselben Diskussionen zwischen Aussagekraft und PR-Gag. Wenn die "Mozartoper Idomeneo" mit angeschlagenen Köpfen, z.B. des Propheten Mohammed endet. Wenn der US-Künstler Vincent Gallo mit seinem Film "Brown Bunny" in Cannes Publikum und Jury sich selbst bei realem Oral-Sex zeigt. Oder wenn der Spanier Santiago Sierra Obdachlose dafür bazahlt, sich eine Linie auf dem Rücken tätowieren zu lassen. Die Bekanntheit all dieser Künstler ist zumindest kurzzeitig angestiegen.

Der "Welt" sagte Gregor Schneider im Interview, er möchte "humane Orte für den Tod" schaffen. Verfolgen würde ihn die Idee schon seit 1996 und geplant ist die Performance im Museum Haus Lange in Krefeld. Wenn die Verantwortlichen abspringen, setzt er sein Vorhaben in seinem Rheydter Studio um. Die Gemüter sind erhitzt, von fehlendem Respekt gegenüber dem Leben ist oftmals die Rede.

Tatsache ist, dass Gregor Schneider nicht zum ersten Mal provoziert. Auf der Biennale 2005 wollte der damals schon hoch angesehene Künstler einen schwarzen Würfel mit den Maßen der Kaaba in Mecca auftstellen. Die Aktion wurde ihm verboten, so dass er sie 2007 in Hamburg nachholte. Bei der Idee, jemanden "live" aber auf natürliche Weise sterbend zu zeigen, legt Gregor Schneider aber noch mal an Brisanz zu.

Für ähnlich großen Wirbel sorgte kürzlich eine Kunststudentin der amerikanischen Elite-Universität Yale. Aliza Shvarts kündigte über Monate im Voraus an, für ihr Abschlussprojekt ihren Körper in besonderer Weise einzusetzen. Mit ständigen künstlichen Befruchtungen und Abtreibungen, Videos von Krämpfen und Blutungen sowie eine Blut-Gewebe-Skulptur, wollte die junge Frau ihre Ausstellung füllen. Nach der ethischen Entrüstung im Internet und einigen Zeitungen gab sie jedoch zu, alles nur gespielt zu haben. Es gäbe keine Abtreibungen, sie habe nur mit der Idee ein gesellschaftliches Statement zum umstrittenen amerikanischen Abtreibungsrecht machen wollen.

In beiden Fällen verstehen sich die Künstler als Botschafter, die wichtige Aussagen über Politik und Gesellschaft transportieren. In beiden Fällen kann man aber auch nicht abstreiten, dass sie kurzzeitig einen mehr oder weniger zweifelhaften Ruhm genießen. Bleibt abzuwarten, wie die öffentliche Reaktion ausfällt, wenn Gregor Schneider jemanden gefunden hat, der für ihn seinen Tod performen wird.

Quelle: Sueddeutsche.de
Bild: Alfred Diem (Flickr)

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