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Neu im Kino: "Tango Libre"

"Tango Libre" ist eine Tragikomödie von beschwingter Absurdität. Frédéric Fonteynes Melange aus Knastromantik und Tangotanz besitzt ihren Reiz, überzeugt aber leider nicht durchweg.

Der Inhalt:

Jean-Christophe (François Damiens) wird von allen JC genannt. Er ist ein unscheinbarer Einzelgänger ohne viele Kontakte und nur sein 15 Jahre alter Goldfisch leistet ihm Gesellschaft. Von Beruf ist JC Gefängniswärter - er ist überaus korrekt und er ist prinzipientreu. Einmal wöchentlich besucht er einen Tangokurs, um etwas mehr Abwechslung in sein Leben zu bringen. Dort lernt er eines Tages die attraktive Alice (Anne Paulicevich) kennen und ist fasziniert von ihrer offnen Art. Alice schafft es, den verkrampften Pedanten aus der Reserve zu locken. Am Tag nach ihrem Kennenlernen sieht JC sie wieder: Sie besucht ihren Ehemann Fernand (Sergi López) und ihren Geliebten Dominic (Jan Hammenecker) im Gefängnis. Die zwei Männer wurden wegen eines gemeinsamen Vergehens verurteilt und bewohnen dieselbe Zelle. Ihre eher komplizierte Beziehung zueinander droht zu eskalieren, als sie erfahren, dass JC Alices Tanzpartner ist. Alice wird zum Mittelpunkt des Machtkampfes unter den Männern und der emotionalen Aufruhr aus Leidenschaft und Eifersucht.

Frédéric Fonteyne hatte sich nach seinem Film "Gilles' Wife" eine Auszeit von acht Jahren gegönnt. Nun hat der belgische Regisseur seinen Nächstling "Tango Libre" abgeliefert. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Fonteynes Lebensgefährtin Anne Paulicevich. Sie hat im Film auch die Hauptrolle übernommen. "Tango Libre" ist als Tragikomödie angelegt und der Film bietet eine außergewöhnliche Mischung aus Gefühlsdurcheinander, Knastromantik und natürlich: Tango. Fonteyne lässt die unterschiedlichen Charaktere sehr geschickt aufeinander treffen. Die Figurenkonstellationen sind ungewöhnlich, interessant und auch die Schauspieler sind gut gewählt.

Sergi López ("Die Affäre") und Jan Hammenecker ("Ex Drummer") verleihen ihren Figuren mit einer nuancierten Darstellung Vielschichtigkeit und auch Anne Paulicevichs dynamisches Spiel verleiht der Rolle der lebenslustigen Alice eine große Glaubwürdigkeit. Der Hauptfigur JC, verkörpert von François Damiens ("Nathalie küsst"), fehlt es leider etwas an Substanz und die Figur ist wackelig gezeichnet. Leider hinkt auch das Drehbuch von "Tango Libre" an mancher Stelle und der Versuch die "erlösende Kraft des Tanzes" zu heraufzubeschwören, gelingt Fonteyne nicht an jeder Stelle.


Es warten aber eine Menge wirklich schöner Fim-Sequenzen: Toll sind die eleganten und Energie geladenen Tanzszenen, die ganz präzise eingefangenen worden sind. Auch schön ist der Moment, als Fernand einen argentinischen Vorzeigemacho dazu überredet, ihm Tanzstunden zu geben. Gefängniswärter JC ist völlig irritiert, als er zusehen muss, wie immer mehr Gefängnisinsassen mit dem Tanzen beginnen. Frédéric Fonteyne hat bis dahin das gewollte, langsame Schlittern in Richtung Absurdität gut inszeniert, es aber nicht geschafft, die Filmelemente zu einer Einheit zu formen.

Die Tragikomödie "Tango Libre" bietet einen ganz besonderen Mix aus Gefühl, Knastromantik und Tango. Leider weist das Drehbuch einige Mängel auf - die anfangs beschwingt-unterhaltsame Absurdität der Handlung verkommt am Ende zur Farce und kann auch nicht von den guten Darstellerleistungen gerettet werden.

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