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Neu im Kino: Quellen des Lebens

"Die große, bedeutende Frage jedes Lebens ist doch: Wie wurde ich zu dem, was ich heute bin?" Oscar Roehlers Film "Quellen des Lebens" erzählt eine Lebensgeschichte, genauer gesagt, Roehlers Lebensgeschichte, basierend auf seinem autobiografischen Roman "Herkunft". Es ist ein wilder Ritt durch seine Familiengeschichte und erzählt von jeder Menge betroffen machendem Unglück dreier Generationen: Angefangen Ende der Vierziger Jahre mit seinem Großvater, und schließlich mit den Verletzungen der eigenen Kindheit und der verlorenen Jugendliebe in den Achziger Jahren.

Inhalt:

Der Zweite Weltkrieg ist vorbei und die Soldaten kehren Heim - so auch Erich Freytag. Von Jürgen Vogel verkörpert, kommt er verlaust und zahnlos in die fränkische Heimat zurück. Willkommen ist er dort nicht, seinen Platz im Ehebett erzwingt er sich durch männliche Machtworte. Mit einer Gartenzwerg-Produktion beglückt er wenig später das Wirtschaftswunder Deutschland, seine Frau hat derweil eine Affäre mit der Nachbarin. Sein Sohn Klaus, gespielt von Moritz Bleibtreu, hatte sich dankbar und treu über Papas Rückkehr gefreut, träumt aber ein paar Jahre später nur noch davon, endlich rauszukommen aus der Provinz und er will Schriftsteller werden. Er begegnet der jungen und etwas neurotischen Gisela (Lavinia Wilson). Sie kommt aus "gutem Hause", träumt aber denselben Traum. Nach einer Liebesnacht wird sie schwanger und Klaus wähnt sich Teil einer intakten Familie. Doch Gisela feiert lieber ihre Erfolge als Autorin und kümmert sich nicht um ihren Sohn Robert Freytag. Robert (Leonard Scheicher) trifft, Jahre später, Laura Werner (Lisa Smit), das Nachbarsmädchen von einst wieder. Was wird diese Liebe bringen?

Eine der Stärken des Films ist, dass er zeigt wie schwer es gewesen sein muss, sich aus den Fesseln der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft zu befreien - mit all ihrer Scham und ihren Pflichten. Besonders sehenswert ist dabei aber, dass Roehler auch die negativen Seiten dieses Ausbruchs zeigt. Sein Alter Ego Robert hat viel zu leiden unter seinen chaotischen Eltern, einem "ausgebrochenen" Paar: Sträfliche Vernachlässigung, eine peinliche Sexualerziehung und ständiges Abgeschobenwerden zu Großeltern oder in Internate. Klaus und Gisela sind bezeichnenderweise auch die realen Vornamen der Eltern Roehlers. Der große Vorzug des Films: Roehler fordert kein Mitleid hat aber auch keinerlei Nachsicht mit seinen Figuren.

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