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Neu im Kino: Passion

Brian De Palmas "Passion" ist ein erotisch stark aufgeladener Psycho-Thriller und eine ambivalente Genre-Variation. Anklänge an Hitchcock sind unübersehbar, der Film basiert aber auf Alain Corneaus "Crime d’amour" (2010).

Der Inhalt:

Ein erbitterter Machtkampf zweier Frauen: Handlungsort ist ein internationales Werbeunternehmen mit Standort in Berlin. Christine (Rachel McAdams) ist elegant, ehrgeizig und will hoch hinaus. Isabelle (Noomi Rapace) ist ihre Mitarbeiterin. Sie hat herausragende Ideen, ist aber naiv und somit williges Opfer von Christine. Diese klaut Isabelles Ideen und mit manipulativen Machtspielchen nutzt sie ihre Untergebene zunehmend für sich aus. Das Psychokarussell zwischen den Business-Frauen gewinnt an Schwung, als Isabelle langsam selbst die Initiative ergreift und um den eigenen beruflichen Erfolg kämpft. In die Spiele aus Intrigen, Verführung und Kontrolle wird auch Assistentin Dani (Karoline Herfurth) hineingezogen und als beide Frauen mit Dirk (Paul Anderson) eine Affäre beginnen, kommt es zu einer katastrophalen Wendung.


Obwohl Einflüsse Alfred Hitchcocks unbestreitbar sind, handelt es sich bei "Passion" dennoch erstmal um ein Remake des französischen Thrillers "Crime d’amour". Rachel McAdams und Noomi Rapace übernehmen bei De Palma die Hauptrollen und die erste Filmhälfte ist recht nah am Original. De Palma konzentriert sich aber ab der Mitte des Films auf den eskalierenden Konflikt der Protagonistinnen, und "Passion" wird in eine neue Richtung gelenkt. Der Film spielt mit Perspektiven und den Erwartungen der Zuschauer. Lust und Tod treffen aufeinander, es kommt zum Spiel mit Täter- und Opferollen.

Der wesentliche Handlungsort, die Werbefirma, ist ziemlich oberflächlich abgehandelt. Auch Berlin als Schauplatz erscheint hin und wieder im Kameraschwenker, bleibt aber eine austauschbare Großstadtkulisse. Aufmerksamkeit zollt De Palma ausschließlich den Frauen: Diese haben im Film jede Kontrolle an sich gerissen. Machtstreben und kriminelle Energien sind in "Passion" den weiblichen Figuren vorbehalten, untermalt wird der Zickenkrieg von homoerotischen Untertönen. De Palma macht aus einer in Corneaus Original männlichen Figur eine Frauenrolle und erfindet zudem eine Zwillingsschwester. Viele schöne Frauen machen viele böse Dinge, sehen aber gut aus dabei:
Rachel McAdams ("Wie ein einziger Tag"), sonst eher unschuldig wirkend, gibt in "Passion" das Biest. Noomi Rapace (alias "Lisbeth Salander") hingegen, darf jetzt auch mal Schwäche zeigen.

"Passion" ist geschickt inszeniert, erzählerisch aber eher holprig und oberflächlich. Der mittlerweile 72-jährige De Palma ist ein Virtuose des Mafiafilms und des Erotikthrillers und kehrt nun nach einer mehrjährigen Schaffenspause zurück - er kann aber nicht an vergangene Erfolge anschließen. "Passion" ist ab 16 Jahren freigegeben und ab dem 2. Mai 2013 im Kino.

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