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Neu im Kino: Der Medicus

Die Romanverfilmung "Der Medicus" ist ein romantisches Blockbuster-Historien-Abenteuer - opulent und bildgewaltig - aber es reicht nicht an das Original, den Bestseller von Noah Gordon, heran.

Der Inhalt:

London im 11. Jahrhundert: Der junge Rob Cole (Tom Payne) verliert seine Mutter durch eine Blinddarmentzündung. Er konnte ihren nahenden Tod bereits vorher spüren - das ist seine besondere Gabe. Er begibt sich in die Hände des fahrenden Baders (Stellan Skarsgård), erlernt ein paar Taschenspielertricks und die ersten Dinge der Heilkunde. Rob zeigt dabei viel Talent und erkennt, dass der Bader nicht mehr als ein einfacher Quacksalber ist. Er will mehr lernen um das Elend kranker Menschen wirklich zu lindern. Nachdem er von großen, wundersamen Fähigkeiten des persischen "Arzt aller Ärzte" Ibn Sina (Ben Kingsley) gehört hat, macht er sich auf die Reise. Diese ist verboten und birgt viele Gefahren: Weil Christen dort verhasst sind, tarnt Rob sich als Jude um wenigstens toleriert zu werden. Er schließt sich einer Karawane an und trifft auf Rebecca (Emma Rigby), die verheiratet werden soll. Es entwickelt sich zwischen den beiden eine unmögliche Liebe…

"Der Medicus" ist einer der wenigen Roman-Bestseller, die noch unverfilmt geblieben sind. Das lag vor allem daran, dass das 1986 erschienene Buch in den USA nicht besonders erfolgreich war und Hollywood entsprechend kein Interesse zeigte. In Deutschland lasen hingegen rund sechs Millionen Menschen Noah Gordons Historien-Schmöker und nun hat Regisseur Philipp Stölzl ("Nordwand", "Goethe") mit internationaler Starbesetzung und deutschem Geld (beachtlichen 26 Millionen Euro) einen Blockbuster von internationalem Format geschaffen. Und der Film glänzt mit wirklich beeindruckenden Schauwerten und sehr guten Schauspielern - doch wie das bei Buchadaptionen so ist, der Film erreicht nicht die erzählerische Dichte vom Original, Gordons 850-Seiten-Opus.

Der zweieinhalbstündige Film ist in drei Abschnitte unterteilt, die unterschiedlich gut sind: Der erste Part spielt in England und es geht besonders um Rob Cole und dessen Erlebnisse mit dem Bader. Der erste Teil ist atmosphärisch sehr dicht und gut gelungen. Die Reise in den Orient bildet den zweiten und schwächsten der Teile - zu schematisch. Mit der Ankunft Robs in Persien geht es wieder aufwärts - Rob gewinnt an der Medizinschule die Gunst des großen Medicus Ibn Sina. Es kommt zu einigen, nicht immer zwingenden, Wendungen und zu einem überzeugenden Clash von Kultur, Religion und Wissenschaft, was eindeutig den Reiz der dritten Passage ausmacht.

Regisseur Philipp Stölzl versteht es hervorragend, visuell sehr aufregende Welten zu inszenieren – das hat er schon im Kino, in diversen Musikvideos (Rammstein, Madonna, Die Toten Hosen), in mehreren Werbespots (Sony, Rolex) und auf Opern-Bühnen ("Die Fledermaus", "Parsifal") bewiesen. Und nun erstrahlt sein "Medicus" in majestätischer Opulenz mit epischen Landschaftspanoramen. Die Aufnahmen an den Schauplätzen Marokkos beeindrucken ganz besonders. Die aufwändigen Studiokulissen sind dagegen etwas zu künstlich und steril geraten.

Die bunt zusammengewürfelte, internationale Besetzung bei "Der Medicus" ist gut gelungen: Die Titelrolle wurde einen Newcomer vergeben und Tom Payne bringt die Zerrissenheit und den inneren Konflikt seiner Figur gut zum Ausdruck, auch wenn er nicht die Intensität erreicht, die Rob Cole im Buch besitzt. Auch die Gefühle zwischen Rob und Rebecca könnten tiefgründiger sein. Emma Rigby ("The Counselor") als Rebecca muss in ihrer Rolle aber auch kaum mehr tun, als zu schmachten - sicherlich liegt es auch daran, dass der emotionale Überschwang fehlt - auch wenn das Paar eigentlich gut zueinander passt. In der zweiten Hauptrolle finden wir ein echtes Schauspieler-Schwergewicht: Der Oscar-Preisträger Ben Kingsley ("Gandhi", "Iron Man 3") ist eine ideale Wahl für die Rolle als Medizin-Buddha Ibn Sina und überzeugt mit Präsenz und Charisma. Deutschlands neu ernannter Superstar Elyas M’Barek ("Fack Ju Göhte", "Türkisch für Anfänger") ist überraschenderweise auch mit von der Partie und verkörpert einmal mehr den rotzig-charmanten Proll - diesmal aber ist er ein verwöhnter, persischer Medizinschüler.

Sehen Sie hier den Trailer zu "Der Medicus"

Philipp Stölzls Historien-Abenteuer "Der Medicus" ist ein opulentes und bildgewaltiges Blockbusterkino - die Romanverfilmung erreicht aber weder die emotionale Wucht noch die thematische Bandbreite von Noah Gordons Buchvorlage.

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