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Musikmesse Popkomm wurde abgesagt

Die Popkomm ist dieses Jahr vorbei, bevor sie überhaupt los geht. Weil etwa 50 Prozent weniger Fachbesucher erwartet werden, ist die weltweit größte Musikmesse, die vom 16. bis 18. September in Berlin stattfinden sollte, abgesagt worden, bestätigte Katja Groß, Sprecherin der Popkomm. Der Grund für den Besucherschwund seien die durch illegale Downloads verursachten hohen Verluste der Musikbranche. Wie Focus online berichtet, setze die Fachmesse nur für ein Jahr aus.

Dieter Gorny, Gründer der Popkomm, will mit der Absage offensichtlich Druck auf die Politik ausüben. "Wir wollen ein Zeichen setzen, dass die Politik nun endlich handeln muss, um den Diebstahl geistigen Eigentums im Netz zu stoppen", erklärte der Vorsitzende des Bundesverbands Musikindustrie laut Spiegel-Online. Der ehemalige VIVA-Chef repräsentiert die Major-Plattenfirmen. Die fordern Maßnahmen gegen illegale Downloader wie in Frankreich. Dort wird jedem, der nach drei Verwarnungen immer noch urheberrechtliches Material aus dem Netz saugt, der Internetzugang gesperrt.

Dieses Gesetz hielt der Prüfung vor dem französischen Verfassungsrat aber nicht Stand. Zu Recht, wie Bundesjustizministerin Brigitte Zypries meint. Denn: "Die Sperrung von Internetzugängen wäre verfassungsrechtlich und politisch höchst problematisch." Tim Renner, der ehemalige Chef der Plattenfirma Universal, glaubt Gornys Begründung für die Absage nicht. Wie er im Deutschlandradio sagte, würde es den Popkomm-Machern relativ spät auffallen, dass Internet-Piraterie die Musikbranche ruiniere. Zwischen 1998 und 2003 habe es die größten Einbußen wegen illegaler Downloads gegeben, so Renner.

Der ehemalige Universal-Chef bezweifelt, dass durch politische Maßnahmen das Downloadverhalten zu ändern sei. Statt strafrechtlicher Verfolgung von Internet-Langfingern fordert er eine so genannte Kulturflatrate. Das bedeute, dass jeder Internetuser mit dem Netzanschluss eine Gebühr an eine Verwertungsgesellschaft bezahlen müsse, aus der dann die Urheber der herunter geladenen Stücke ihre Tantiemen ausbezahlt bekommen. Dieser Weg würde Gorny und Co. jedoch gar nicht in den Kram passen.

Das alte Geschäftsmodell per Gesetz bewahren oder sich neuen Wegen öffnen? Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Musikbranche in Deutschland entwickelt. Die Pforten der Popkomm bleiben 2009 jedenfalls geschlossen.

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