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Musikfolter in US-Gefangenenlagern

In US-Gefangenenlagern ist offenbar Musik als Foltermethode eingesetzt worden. Wie Menschenrechtler nun enthüllten, nutzten Verhörspezialisten Musik von Bruce Springsteen bis Britney Spears in ohrenbetäubender Lautstärke, um z.B. in Guantánamo, Bagdad oder Kabul an die Antworten der mutmaßlichen Terroristen zu kommen.

Was sich zunächst wie ein geschmackloser Witz anhört, kann in echt zur knallharten Folter werden. Besonders aggressive Musik, die über einen längeren Zeitraum, laut und ununterbrochen in den Zellen der Gefangenen gespielt wird, kann zur Qual werden. Daher setzten die Verhörexperten wohl hauptsächlich Rap, Heavy Metal und Death Metal ein. Ob Eminem, AC/DC oder Metallica, in Kombination mit Schlafentzug und hellem Licht empfinden Gefangenen die Musik als bloße Folter. Christine Schoenmakers von Amnesty International erklärt: "Laut abgespielt, löst solche Musik einen Adrenalinschub aus, der Mensch findet keine Ruhe mehr."

Der Brite Ruhal Ahmed wurde zweieinhalb Jahre lang ohne offizielle Anklage in Guantánamo festgehalten. Der heutige Amnesty-International-Sprecher erzählt über die Musikfolter: "Du kannst dich nicht mehr konzentrieren, du glaubst, du wirst verrückt." Auch ruhigere Musik kann auf Dauer diesen Effekt haben, neben Songs von Christina Aguilera, Neil Diamond und den Red Hot Chilli Peppers soll sogar die Titelmusik der "Sesamstraße" zur Folter genutzt worden sein.

Auch die Musik des britischen Songschreibers David Gray taucht auf den Listen auf, die der Presse nun zugespielt wurden. Gemeinsam mit der Menschenrechtsorganisation Reprieve will Gray gegen solchen Missbrauch seiner Werke vorgehen und andere Künstler dazu ermutigen, dasselbe zu tun. "Wir sprechen hier von Menschen, die in dunklen Räumen gefangen sind, mit Handschellen gefesselt, mit Säcken über ihren Köpfen und Musik, die auf sie einhämmert", sagt David Gray. Das Projekt "Zero dB" von Reprieve hat bereits von weiteren Künstlern Unterstützung zugesichert bekommen. In Zukunft sollen Musiker durch bestimmte Klauseln in Verträgen sicher stellen, dass die amerikanischen Streitkräfte ihre Songs nicht für diese Zwecke nutzen dürfen. Eventuell werden die Proteste gegen die Folter durch Musik auch Einfluss auf die gesamte Diskussion um Verhörmethoden in US- Gefangenenlagern haben.

Stellt euch vor ihr hört einen dieser Songs Nonstop:
Die Sesam-Strasse
AC/DC - Hells Bells

David Gray - Babylon
Eminem - White America

Springsteen - Born in the USA
Saliva - Click Click Boom

Drowning Pool - Bodies
Neil Diamond - America

Im Überblick, die Hitparade des Grauens:
  • AC/DC - Hell's Bells, Shoot to Thrill; Aerosmith
  • Barney the Purple Dinosaur - theme tune
  • Bee Gees - Stayin' Alive; Britney Spears
  • Bruce Springsteen - Born in the USA
  • Christina Aguilera - Dirrty
  • David Gray - Babylon; Deicide - Fuck Your God
  • Don McLean - American Pie; Dope - Die MF Die, Take Your Best Shot
  • Dr. Dre; Drowning Pools - Bodies
  • Eminem - Kim, Slim Shady, White America
  • Li'l Kim; Limp Bizkit
  • Matchbox Twenty - Gold; Meat Loaf
  • Metallica - Enter Sandman; Neil Diamond - America
  • Nine Inch Nails - March of the Pigs, Mr. Self-Destruct
  • Prince - Raspberry Beret; Queen - We are The Champions
  • Rage Against the Machine - Killing in the Name Of
  • Red Hot Chilli Peppers; Saliva - Click Click Boom
  • Sesame Street - theme tune; Tupac - All Eyes on Me

Quelle: stern.de, Abendzeitung.de, Reprieve.org.uk
Bild: YouTube

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