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'Milliardengeschäft Freundschaft': Facebook-Doku im ARD enttäuscht

Eigentlich hatte die ARD im Vorfeld viel versprochen: Die Fernseh-Doku 'Milliarden-Geschäft Freundschaft' von NDR und BBC, die am Montagabend ausgestrahlt wurde, wollte hinter die Kulissen von Facebook blicken – doch wegen einiger inhaltlicher Schwächen blieb sie hinter den Erwartungen zurück.

Schon die ersten Minuten machten deutlich, welche Grundlinie verfolgt werden sollte: Die 17-jährige Franciska kann sich ein Leben ohne das soziale Netzwerk kaum mehr vorstellen. 'Ich würde es schon wie eine kleine Sucht nennen. Man hat den Drang zu gucken, was los ist', sagt sie. Indes wundert sich ihre Mutter, dass die 'Generation Internet' offenbar so ganz anders tickt. Früher sei man ausgegangen und habe miteinander gesprochen. Heute laufe 'das alles nur noch über Playstation und Computer. Darüber hinaus empört sich Datenschützer Thilo Weichert, dass Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit seinem Unternehmen Geld verdienen will.

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Irgendwie alles wie gehabt: Bekannte Klischees wurden eher befördert als hinterfragt. Auf der einen Seite die scheinbar ahnungslosen Teenager, die sich ein Leben ohne Facebook nicht mehr vorstellen können; auf der anderen die Kritiker – in Zeiten von automatischer Gesichtserkennung, 'Timeline-Zwang' und Klagen gegen den 'Like-Button' hat man das alles schon (zu) oft gehört.

Auch Mark Zuckerberg wirkt im Interview wie ein ganz normaler 27-Jähriger – nicht wie einer, der heimlich Nutzerdaten verkauft. Kritische Nachfragen zum Datenschutz werden ihm nicht gestellt - viel lieber spricht er über die neue Kultur, die Facebook geschaffen hat.

Irgendwie enttäuscht die Doku die Medienlandschaft, die Presse ist sich einig. Nicht nur Facebook, sondern auch viele andere Internetseiten nutzen sogenannte Cookies, mit denen Nutzer zurückverfolgt werden können. Und Facebook kennt bestimmt nicht die Geheimnisse seiner User, denn jeder entscheidet selbst, welche persönliche Informationen er in welchem Social Network preisgeben will.

Aber auch wenn der Dokumentarfilm inhaltlich zu wünschen übrig lässt, ist er dennoch sehenswert. Die Erzählweise ist besonders unterhaltsam und die Protagonisten sympathisch. Der Einsatz des Zeitraffer-Bildeffekts und des eigens für den Film komponierten Titels 'I like' bezeugen immerhin die außergewöhnlich kreative Umsetzung der Regisseurinnen.

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