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Horror im Kino, warum Blut und Folter im Film so beliebt sind

Horrorfilme sind so richtig in Mode, am besten kommen sie an, wenn viel Blut im Spiel ist. Kommt einem das nur so vor, oder ist da ein echter Trend zu verzeichnen? Besonders mordlüsternde Irre und folternde Fieslinge haben es den Zuschauern angetan, könnte man meinen. Woran liegt es, dass blutiger Horror und besonders Folter immer beliebter wurde in den letzten Jahren? Markus Stiglegger, Filmwissenschaftler an der Uni Mainz, hat mögliche Erklärungen.

Es ist schon verrückt. Im Jahr 2006 spielte das brutal-gemeine Folterfilmchen "Hostel" weltweit über 80 Millionen Dollar ein, bei Produktionskosten von gerade mal 4,5 Millionen. Die Saw-Reihe startet 2004 mit noch größerem Erfolg, im Januar soll der fünfte Teil um den folternden Jigsaw -Killer in die Kinos kommen. In den USA sorgte die erfolgreiche Serie "Dexter" für einen kleinen Skandal, weil ihr Hauptdarsteller ein folternder Serienkiller und auch noch sympathisch ist. Dennoch hat "Dexter" es bis über den großen Teich gebracht und läuft seit Montag wöchentlich auf RTL2.

Warum ziehen die blutigen Schocker die Massen also an? Stiglegger setzt die Gier nach Folter im Kino ins Verhältnis zur Diskussion um Folter in der Realität, wie etwa im Irak-Krieg. Zu Zeiten des Vietnamkriegs hätte es ebenfalls "eine Welle extremer Gewaltdarstellung" gegeben. Außerdem spielen im Alltag immer öfter virtuelle Räume eine Rolle, die blutige Darstellung in Filmen gehe einher mit der "Entfremdung vom Körper".

So weit, so gut! Je mehr Horror es in der Welt gibt, desto blutiger werden also auch die Kinofilme. Dazu sind blutige Horrorstreifen auch der Wunsch nach mehr Körperlichkeit in einer von Computern bestimmten Welt. Alles in allem sagt Stiglegger: "Horror ist grundsätzlich die filmische Konfrontation mit verdrängten und somit unterbewussten Angstbildern." Darin liegt dann wohl auch das eigentliche Erfolgsrezept von Horror begraben: Menschen lieben es, sich zu fürchten, immer und immer wieder.

Genau deswegen ist das Horror-Genre mittlerweile auch so beliebt in Computer- und Videospielen. Games wie "Silent Hill" oder "Resident Evil" "versetzen den Spieler subjektiv in die angsterfüllende Situation, sie bieten also vor allem eine verunsichernde Atmosphäre der Bedrohung", sagt Stiglegger. Das können Spiele natürlich noch besser als der Horrorfilm im Kino. Andererseits haben Spiele da auch Grenzen und "die übliche Totale der Spieler-Subjektive kann kaum mit der Montage von Nahaufnahmen des Films konkurrieren." Das ist beruhigend, den besten Horror-Kick holt man sich also immer noch im Kino.

Quelle: Welt Online
Bild: jen light (Flickr)

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