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Halbzeit in Venedig

Die Internationalen Filmfestspiele von Venedig haben ihre Halbzeit erreicht und die Kritiker haben einen neuen Favoriten auf den Goldenen Löwen: Im Zusammenhang mit Sofia Coppolas Drama 'Somewhere' ist mehr als ein mal das Wort Meisterwerk gefallen. Aber auch Francois Ozon konnte begeistern, während Tran Anh Hungs und Julian Schnabels Beiträge eher hinter den Erwartungen zurückblieben.

Vor drei Jahren verzauberte der New Yorker Künstler Julian Schnabel noch Cannes mit 'Schmetterling und Taucherglocke', anschließend heimste das französische Drama sogar vier Oscar-Nominierungen ein. Die Kritiker sind sich einig, dass sein Venedig-Beitrag 'Miral' nicht für so viel Begeisterung sorgen wird. Das Drama erzählt über mehrere Generationen von Frauenschicksalen und Gewalt im israelisch-palästinensischen Konflikt, ist mit Willem Dafoe, Freida Pinto und Vanessa Redgrave stark besetzt, lässt aber Tiefgang und politische Genauigkeit vermissen. Ähnlich verhielt es sich mit der Tran Anh Hungs 'Norwegian Wood', der Verfilmung des Murakami-Bestsellers 'Naokos Lächeln'. Die Kritiker würdigten die schönen Bilder, konnten dem Film aber ansonsten kaum etwas abgewinnen.

- Hier gehts zum Trailer von 'Miral'

Überwiegend positiv aufgenommen wurde hingegen der Wettbewerbsfilm von Francois Ozon. Der hochgelobte Franzose macht mit 'Potiche' etwas, was man sonst kaum von ihm kennt, nämlich eine Komödie. Hier spielt die französische Diva Catherine Deneuve eine unterdrückte Unternehmergattin Ende der 70er-Jahre, die kaum gegen ihren Mann ankommt. Als dessen Firma aber ins Wanken gerät, ist sie diejenige, die das Ruder übernimmt und das Unternehmen wieder auf Vordermann bringt. Damit ist Ozons typischer Frauen-Fokus dieses Mal in leichte Unterhaltung verpackt, in einer Nebenrolle ist dennoch auch Frankreichs männliche Kino-Ikone Gerard Depardieu als Alt-Kommunist zu sehen.

- Die Stars auf dem roten Teppich

Für Begeisterung und heftige Spekulationen bezüglich der Löwen-Vergabe sorgte Sofia Coppolas Drama 'Somewhere'. Stephen Dorff spielt hier einen erfolgreichen Schauspieler, der den Luxus und häufig wechselnde Frauen in Einsamkeit genießt. Als dann seine von Elle Fanning gespielte Tochter auftaucht, nimmt er sich ein paar Tage Auszeit und resümiert sein Leben. Coppola inszeniert ruhig wie 'The Virgin Suicides' und mit trockendem Humor wie in 'Lost in Translation'. Die Oscar-Preisträgerin bekam vor allem Lob für die gefühlvolle Darstellung der Vater-Tochter-Beziehung und dem traurigen Blick auf den Starkult, 'Somewhere' starten im November in den deutschen Kinos.

- Hier gibts den Trailer zu 'Somewhere' zu sehen

Damit haben sich die Kritiker auf einen neuen Favoriten eingeschossen. Aber längst sind noch nicht alle Beiträge auf dem Lido gezeigt worden, schließlich hat auch Tom Tykwer noch Chancen, Ende der Woche feiert 'Drei' Premiere. Heute wird erst mal außer Konkurrenz die inzwischen sagenumwobene Joaquin Phoenix-Doku 'I'm still here' laufen, vielleicht beommen die 67. Internationalen Filmfestspiele von Venedig ja damit ihren ersten Skandal.

Bild: www.labiennale.org

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