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Die Frankfurter Buchmesse 2008

Die Frankfurter Buchmesse 2008 steht in diesem Jahr im Zeichen der deutsch-türkischen Völkerverständigung. Genaugenommen ist die Türkei mit 250 Schriftstellern und 150 Verlegern Ehrengast der weltweit größten Buchmesse. Die Literatur steht für deutsche und türkische Politiker als Brücke zwischen ihren Kulturen. Viele von ihnen waren auch zur Eröffnung der Messe erschienen und es wurden zahlreiche Reden gehalten. Die verliefen allerdings teilweise schon direkter und ehrlicher, als man erwartet hatte.

Unter dem Motto "Faszinierend farbig" kommen deutsche und türkische Literatur dieser Tage in Frankfurt zusammen. Über 7000 Aussteller aus 100 Ländern sollen dafür sorgen, dass in den kommenden Tagen zahlreiche Literaturfreunde auf das Messegelände strömen. Zur Eröffnung unterstrich Außenminister Frank-Walter Steinmeier noch mal seinen Wunsch, die Türkei in die EU zu bekommen und damit auch die Integration der in Deutschland lebenden Türken voranzutreiben. "Die Türkei hat sich auf den Weg gemacht zu einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft", lobte der SPD-Politiker. Zu gleich forderte er aber auch mehr Meinungsfreiheit in der Türkei und sicherte die deutsche Unterstützung in allen weiteren Schritten dieser Entwicklung zu.

Etwas weniger blumig und enthusiastisch war die Rede des türkischen Literatur-Nobelpreisträgers Orhan Pamuk. Ganz offen kritisierte der Schriftsteller die türkische Regierung und wies daraufhin, dass in den letzten 100 Jahren zahlreiche Künstler verhaftet, getötet oder ins Exil gejagt worden wären. Dennoch, so beschwerte sich Pamuk, sei man auch heute noch weit von der Meinungsfreiheit entfernt, könnte aus politischen Gründen z.B. nur eingeschränkt auf YouTube zugreifen in der Türkei. "Aufgrund des Paragraphen 301 des türkischen Strafrechts, mit der man Schriftsteller wie mich einzuschüchtern versucht, werden Hunderte von Schriftstellern und Journalisten belangt und verurteilt" kritisierte der 56-Jährige scharf.

Umso überraschender war es, dass der türkische Präsident Abdullah Gül in seiner anschließenden Rede offen und ehrlich einräumte, dass die Türkei erst einen Teil des Weges hinter sich gebracht hätte. Er lobte die Arbeit der türkischen Schriftsteller und hob den Stolz auf Orhan Pamuk als Nobelpreisträger hervor. Weiterhin stellte er fest, wie wichtig die Literatur sei für "eine Botschaft hinsichtlich des Dialogs zwischen den Kulturen."

Ein weiteres Thema bei den Eröffnungsreden war die digitale Piraterie. Das Problem um Urheberrechte und der Verbreitung digitaler Inhalte im Internet zeichne sich immer deutlicher ab und sei politisch brisant. Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, kritisierte, dass die Regierung die Verantwortung in dieser Frage auf die Verlage abwälzt. "Wer im Buchhandel ein Buch mitgehen lässt, muss mit Sanktionen rechnen. Warum sollte im Internet ein anderes Recht gelten?", fragte Honnefelder. Passend dazu werden bei der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr verschiedene Möglichkeiten von Lesegeräten und E-Books vorgestellt, weil diese Themen inzwischen alle Verläge beträfen.

Die eigentliche Schau öffnet am heutigen Mittwoch. Wenn auch etwas weniger Aussteller als im letzten Jahr in Frankfurt sind, so werden doch mehr Bücher vorgestellt, insgesamt 402.000 Titel. Auf der Frankfurter Buchmesse 2008 werden dann bis Sonntag rund 280.000 Besucher erwartet.

Quelle: netzeitung.de, FAZ.net
Bild: Buchmesse.de

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