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Deutschland wird blöder - und Thomas Wieczorek weiß wieso

Im Zuge der Aufregung um das neue Buch von Thilo Sarrazin, der die Abschaffung der Deutschen diagnostiziert, hält sich auch Thomas Wieczoreks Bestandsaufnahme der fortschreitenden Massenverblödung in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft wacker in den Bestsellerlisten.

'Die verblödete Republik' ist nicht das erste Buch, in dem sich Wieczorek am erbärmlichen Zustand der Bundesrepublik Deutschland abarbeitet. In den ebenfalls zu Bestsellern avancierten Vorgängern 'Die Stümper' und 'Die Dax-Ritter' beleuchtete Wieczorek Teilaspekte dessen, was er in 'Die verblödete Republik' pointiert zusammenfasst.

Wieczorek, der als freier Autor in Berlin lebt und früher für die Nachrichtenagentur Reuters und die Bild-Zeitung arbeitete, bezeichnet sich selbst als Aufklärer. In atemlosem Duktus deckt er in seinem Buch einen gesellschaftlichen Misstand nach dem anderen auf: Sei es der grassierende Lobbyismus in Berlin, der Politiker Entscheidungen treffen lässt, die dem gesunden Menschenverstand widersprechen, sei es der Zuschnitt der Massenmedien, die das Publikum mit Volksmusiksendungen und Dschungelcamps berieseln, statt ihrem (öffentlich-rechtlichen) Auftrag nach zu gehen.

Wieczoreks Analyse ist fundiert und detailliert, teilweise erhellend und macht bisweilen wirklich wütend. Trotzdem wird man bei der Lektüre von 'Die verblödete Republik' nie den Eindruck los, dass hier ein Eingeweihter für Eingeweihte schreibt, die ihre Abneigung gegen die Politik und die Wirtschaft gerne von einem Autoren bestätigt sehen wollen. So ist Wieczoreks Gesellschaftsanalyse auf Dauer ermüdend, und man stellt sich mehr als einmal die Frage, wieso ausgerechnet Wieczorek dazu fähig ist, eine Perspektive einzunehmen, in der alle anderen blöd, man selbst aber unendlich schlau ist. So bleibt bei der Lektüre von 'Die Verblödete Republik' trotz aufklärerischer Absicht ein schaler Beigeschmack.

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