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Demnächst im Kino: Feuchtgebiete

David Wnendts "Feuchtgebiete" nach dem Debut-Roman von Charlotte Roche ist keine provokante Ekel-Story, sondern eher das Teen-Drama einer jungen Frau auf der Suche nach Rückhalt, Orientierung und ihrer Sexualität. Der Film kommt am 22. August 2013 in die deutschen Kinos.

Der Inhalt:

Helen Memel (Carla Juri) ist 18 Jahre alt und äußerst unverblümt: Grundsätzlich spricht sie aus, was ihr so in den Kopf kommt und meist ist dies sexueller Natur. Neben Sex interessiert Helen sich für Körperhygiene, beziehungsweise dafür, diese zu ignorieren. Eigentlich wünscht sie sich nichts mehr, als ihre Eltern (Meret Becker und Axel Milberg) wieder vereint zu sehen aber ihr bleibt als Zuflucht letztlich nur die beste Freundin Corinna (Marlen Kruse), die mit Helens unkonventioneller Art gut zurecht kommt und beide probieren immer wieder neue Dinge aus. Als Helen sich bei der Intimrasur verletzt ist sie für einige Zeit ans Bett gefesselt - was sie aber nicht daran hindert, für einigen Aufruhr im Krakenhaus zu sorgen. Besondere Aufmerksamkeit erfährt Helen dabei von Chefarzt Professor Notz (Edgar Selge) und dem Krankenpfleger Robin (Christoph Letkowski), dem Helen gehörig den Kopf verdreht.

"Feuchtgebiete" war der Debut-Roman von Charlotte Roche, vielen mit Sicherheit bekannt als Ex-VIVA-Moderatorin. Der Roman war teilweise eher schwer zu ertragen, voll von sehr sexuell geprägten Bildern. Regisseur David Wnendt hat diese Bilder nun Kinoleinwand-tauglich gemacht und seine Bildsprache ist - ähnlich wie die Wortsprache von Charlotte Roche - drastisch und direkt. Wnendt hat seinen Film aber durchaus stilbewusst inszeniert und neben den von der BILD beschworenen Ekelszenen, ein durchaus feinfühliges Porträt einer ungewöhnlichen jungen Frau geschaffen, die unter ihrer vermeintlich harten Schalen einen sehr verletzlichen Kern in sich trägt. Die Hauptdarstellerin Carla Juri ist hervorragend und stellt die 18-jährige Helen facettenreich dar.

An Körperflüssigkeiten mangelt es dem Film "Feuchtgebiete" nicht, es spritzen Blut, Kot, Sperma und "Mösensaft". Das ist nichts für jeden Zuschauer, vom Regisseur aber durchaus konsequent, sich bei der filmischen Umsetzung des Romans mit unverblümt-tabulosen Szenen nicht zurückzuhalten, sondern die Obsessionen der Hauptfigur Helen völlig ungefiltert auf die Leinwand zu bringen.

Wie im Buch auch, ist Helen eine egomanische Protagonistin und der Film wird aus einer subjektiven Perspektive erzählt - Helens Off-Kommentar wird im gesamten Film immer wieder eingesetzt - enthält aber auch Verzerrungen und Lügen der Protagonistin, beispielsweise nach einer Narkose. David Wnendt inszeniert Helens oft extreme Sichtweisen mit originellen und extrem farbgesättigten Bildern, schnellen Schnitten und mit dynamisch-treibender Musik. Kameramann Jakub Bejnarowicz ("Gnade") und Cutter Andreas Wodraschke ("Das weiße Rauschen") verleihen der Erzählung noch zusätzlich Tempo.

So wie die Heldin des Films gelegentlich die Nerven des Publikums strapaziert, so übertreibt auch David Wnendt hin und wieder mit seiner Inszenierung: Vom Splitscreen bis zur Zeitlupe nutzt er quasi alle erdenklichen formalen Mittel und teilweise schießt er einfach über das Ziel hinaus.

Regisseur David Wnendt hat Charlotte Roches Romandebut "Feuchtgebiete" gekonnt und gewollt drastisch verfilmt. Wer das Buch gemocht hat, wird begeistert sein!

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