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Das schönste eingewanderte Wort: Tollpatsch

Das Goethe-Institut und der Deutsche Sprachrat haben vier Monate lang über eine internatione Ausschreibung nach den interessantesten eingewanderten Wörter gesucht.

Über 3.500 deutsche Begriffe mit Migrationshintergrund wurden bis Ende Februar eingesandt und standen dem Komitee zur Auswahl, wobei "Tollpatsch" vor "Currywurst" und "Engel" das Rennen machte.

Die Jury, bestehend aus Sprachexperten und Prominenten (Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), Anne Will und Loriot), hatte es nicht leicht. Schließlich wurden Wörter aus 42 Sprachen vorgeschlagen, die ins Deutsche aufgenommen wurden. Und was da so alles vorgeschlagen wurde...

Besonders populär war unter den Einsendungen das Wort "Tohuwabohu", welches aus dem Hebräischen entlehnt ist und für "Unordung, Durcheinander" steht. Allerdings entschied die Jury nicht nach der Häufigkeit der Begriffsnennung, sondern orientierte sich nach der Originalität der Begründung.

Dem Siegerwort „Tollpatsch“, laut Duden ein „ungeschickter Mensch“, sieht man seine ungarische Herkunft kaum noch an, daher findet Katharina von Ruckteschell, Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Instituts, dass es sich hierbei um ein sehr gutes Beispiel für eine gelungene Integration handle. Denn „Talpas“ nannte man im Ungarischen einst scherzhaft die Infanteriesoldaten, die „breitfüßig“, also schwerfällig des Weges kamen.

Der zweite Platz, die "Currywurst" liefert ebenfalls einen Beweis für die perfekte Eingliederung eines ursprünglich fremden Wortes. Das aus der Tamilsprache Südindiens und Sri Lankas über das Portugiesische und Englische ins Deutsche eingewanderte „Curry“ ging der Begründung zufolge eine „glückliche Ehe“ mit der deutschen Wurst ein. Und der ursprünglich aus dem Griechischen kommende „Engel“ landete auf Platz drei. Das Wort befindet sich in guter Gesellschaft mit vielen anderen Begriffen griechischer Herkunft, die aus dem Deutschen nicht mehr wegzudenken sind. Das gilt bspw. für das Wort „Chaos“ (ursprünglich „leerer Raum“), Sieger im Jugendwettbewerb.

Unbegründet, so findet Katharina von Ruckteschell, die Klage, dass die deutsche Sprache verfalle oder über einen zu hohen Fremdwortanteil verfüge. Ihrer Meinung nach, zeigen die eingewanderten Wörter, dass die deutsche Sprache lebendig sei und sich ständig weiterentwickle. Schon immer seien Wörter aus anderen Sprachen ins Deutsche übernommen worden: „Jede Sprache, auch die deutsche, würde ohne fremde Einflüsse sterben.“

In diesem Sinne: Duden aus dem Regal greifen und mehr immigrierte Wörter nutzen.

Quelle: Welt-Online
Bild: Matteo Fogli (Flickr)

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