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Das erste TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten

Am Freitag fand das erste große TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain statt. Die Amerikaner haben schon immer viel auf die Redeschlachten ihrer Kandidaten gegeben, hier zeigt sich meist, wer unter Druck besser reagiert. Außerdem hatten erfolgreiche TV-Debatten immer einen Einfluss auf den letztlichen Ausgang der US-Wahlen. Die Medien urteilten nun ein klares Unentschieden ohne Höhepunkte, die Bürger sahen in Umfragen allerdings den Demokraten Obama leicht vorne.

Der gesamte US-Wahlkampf ist in diesem Jahr von der schweren Finanzkrise überschattet. Recht ungewöhnlich für dieses Stadium eines Wahlkampfes sind z.B. die Bemühungen des republikanischen Noch-Präsidenten George W. Bush, die Kandidaten in der Not an einen Tisch zu holen. Nach Bushs Aussage "Unsere gesamte Wirtschaft ist in Gefahr" zielte der Idee, die beiden Kontrahenten zu vereinen darauf ab, den Kongress von dem umstrittenen Rettungsplan zu überzeugen. Rund 700 Milliarden Dollar, um die amerikanische Wirtschaft durch den Kauf fauler Investitionen zu retten, das rief Kritiker auf den Plan.

Da McCain sich sonst eher von Bush distanziert, fürchtete er nun, eine schlechte Figur beim TV-Duell zu machen. Er schlug sogar vor, die Debatte zu verschieben. McCain erklärte volksmännisch: "Was wir tun müssen, ist, die Politik für eine Weile zur Seite zu schieben, und ich bin verpflichtet, das zu tun." Obama ließ sich auf dieses Spiel allerdings nicht ein und so trafen die beiden Präsidentschaftskandidaten vor laufenden Kameras und Publikum an der Universität von Mississippi schließlich doch aufeinander. Enttäuschend war vor diesem Hintergrund, dass von beiden keine klaren Antworten zu besagter Finanzkrise kam, sowohl Obama als auch McCain hatten wohl Angst vor Fehlern.

Auch sonst wollten die Präsidentschaftskandidaten nicht überraschen. Sie äußerten ihre unterschiedlichen Positionen zum Irak und Iran, ebenso zu Afghanistan, Pakistan und Russland. Auf dem Parkett der Außenpolitik versuchte McCain seinem Gegner immer wieder dessen Unerfahrenheit vorzuwerfen mit Sätzen wie "Ich glaube nicht, dass Obama über das notwendige Wissen und die Erfahrung verfügt." Die beiden wurden niemals richtig warm in der ca. 100 Minuten langen Diskussion, würdigten sich kaum gegenseitiger Blicke, auch Moderator Jim Lehrer konnte daran nichts ändern. Senator Obama stimmte dem Vietnam-Veteranen überraschend oft zu und so kam es, dass sich letzten Endes keiner der beiden mit Ruhm bekleckerte. Dafür haben sie aber auch noch zwei Weitere TV-Duelle in den kommenden Wochen.

Dennoch, einer Umfrage zufolge sahen 58 Prozent der Befragten Obama als Sieger der TV-Debatte. Eine Wahlumfrage vom Samstag bestätigte außerdem, dass er mit 49 Prozent noch fünf Prozentpunkte vor Republikaner McCain liegt. Innerhalb ihrer Parteien sahen sich natürlich beide Kandidaten als Gewinner. Das konnte dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ein ziemlich schwaches erstes TV-Duell der US-Präsidenschaftskandidaten war.

Quelle: Welt Online, FOCUS Online, Spiegel Online
Bild: YouTube

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