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Cannes: Che Guevara-Biografie enttäuscht, Clint Eastwood stellt ein neues Meisterwerk vor

Die diesjährigen Filmfestspiele in Cannes nähern sich langsam aber sicher dem Ende. Die deutsche Hoffung, Wim Wenders "The Palermo Shooting" wird erst am Samstag als allerletzter Wettbewerbsbeitrag gezeigt. Inzwischen haben schon so einige der großen Namen ihre lang erwarteten Werke über die Leinwand gejagt. Nach der ersten leichten Enttäuschung, dem außer Konkurrenz laufenden "Indiana Jones - Das Königreich des Kristallschädels" langweilte nun Oscar-Preisträger Steven Soderbergh das Publikum mit "Che".

Die Voraussetzungen waren gut. Großer Regisseur, großartiger Darsteller. Benicio Del Toro erhielt selbst bereits einen Oscar und eine weitere Nominierung, nun spielte er den Revolutionär Ernesto "Che" Guevara. Auch die Deutsche Franka Potente ist mit von der Partie als Guerilla-Kämpferin Tamara Bunke. Die Biographie ist eine Mischung aus Archivmaterial, gespielten Interviews und einer Rede Guevaras bei den vereinten Nationen. Leider ist das epochale Werk mit 4 1/2 Stunden ein wenig zu lang, musste in 2 Teilen mit Pause gezeigt werden. Zudem hat der Film eine ungewöhnlich neutrale Haltung gegenüber der Kultfigur "Che" Guevara, so dass er dramatische Momente völlig vermissen lässt.

Schon eher Chancen auf die goldene Palme rechnen sich die Buchmacher für Clint Eastwoods "The Exchange" aus. Der Historienkrimi behandelt eine wahre, aber kaum bekannte Geschichte aus den 1920er-Jahren in den USA. Angelina Jolie spielt eine Mutter, deren 9-Jähriger Sohn plötzlich verschwindet. Als die Polizei ihr fünf Monate später einen anderen Jungen vor die Nase setzt, nimmt sie auf Druck der Behörden diesen als ihr verschwundenes Kind an. Erst später lehnt sie sich auf und wird schließlich in der Psychiatrie zum Schweigen gebracht, weil man im Wahljahr 1928 keine schlechte Presse gebrauchen konnte. Der Film lässt verschiedene Genres ineinander greifen und bleibt bis zum Schluss hoch spannend inszeniert. Nun munkelt man erneut schon wieder über Eastwood als erneuten Oscar-Kandidaten.

Am Sonntag endet der Glanz und Glamour an der Côte d'Azur zum 61. Mal. Was ist sonst passiert in Cannes? Fußball-Ikone Diego Maradonna präsentierte die Film-Biografie über seinen Aufstieg und Fall, sowie seine politischen Attacken gegen George Bush und Prinz Charles. Mit "Gomorra" lief mal ein echtes, italienisches Mafia-Epos erfolgreich an und Sharon Stone hielt Händchen mit Madonna bei der Moderation der traditionellen Benefizgala einer Aids-Stiftung. Typisch Cannes halt.

Quelle: Kurier.at, FOCUS Online

Bild: bananawacky, pei redred (Flickr)

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