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Cannes 2010 geht zu Ende

Gestern endeten die 63. Internationalen Filmfestspiele von Cannes und mit 'Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives' hatte überraschenderweise ein thailändischer Film die Nase im Rennen um die Goldene Palme vorne. Ansonsten meckern die Besucher der Croisette im Chor: Selten sei der Wettbewerb so enttäuschend gewesen.

Weder Inarritus 'Biutuful', noch Mike Leighs 'Another Year' oder Ken Loach und sein spät nachgereichter 'Route Irish' haben das Rennen gemacht. Die Jury um Präsidenten Tim Burton tat sich nicht schwer, die großen Namen bei der Vergabe der Palmen zu umgehen. Regisseur Apichatpong Weerasethakul aus Bangkok gewann in Cannes bereits 2002 und 2004 Preise, im Jahr 2008 war er selbst Jurymitglied. Mit der Goldenen Palme hat es in diesem Jahr aber zum ersten Mal geklappt.

In 'Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives' geht es um einen kranken Mann, der sich zum Sterben in ein Waldhaus in den Kreis seiner Familie begibt. Dort erscheinen ihm die Geister verstorbener Verwandter und sie begleiten ihn auf eine Reise durch seine früheren Leben. Mit Fantasie, Halluzination, aber auch Humor begeisterte der thailändische Film Publikum und Jury an der Côte d’Azur.

Einige Überraschungen und populäre Namen gab es dann bei der Vergabe der weiteren Preise. Die Französin Juliette Binoche wurde für 'Copie Conforme' als beste Darstellerin ausgezeichnet. Eine Palme aus Cannes ist einer der wenigen Preise, die sie noch nicht im Schrank stehen hat.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals wurden zwei männliche Darsteller ausgezeichnet. Der Italiener Elio Germano wurde für seine Leistung in 'La Nostra Vita' prämiert. Die zweite Ehrung wurde Javier Bardem zuteil. Seine Darstellung eines sterbenskranken Kriminellen in 'Biutiful' hat durchweg begeistert und rückt für 2011 den zweiten Oscar in sichtbare Nähe. Bardem bedankte sich auf französisch und wirkte sichtlich gerührt.

Insgesamt mäkelten die Cannes-Kritiker an der Qualität des Programms, aber das ist ja nichts Neues. Für ein wenig Unterhaltung im sonst so ernsten Wettbewerb sorgte übrigens der Franzose Mathieu Amalric. Sein Film um übergewichtige Stripperinnen erntete so laute Lacher wie sonst kein Werk in diesen Jahr. Dafür bekam er auch den Regie-Preis, ansonsten verabschieden sich die Internationalen Filmfestspiele von Cannes still und unspektakulär für dieses Jahr.

Die wichtigsten Preise im Überblick
  • Goldene Palme 'Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives' von Apichatpong Weerasethakull
  • Großer Preis der Jury 'Of Gods and Men' von Xavier Beauvois
  • Beste Regie Mathieu Amalric für 'On Tour'
  • Bester Darsteller Javier Bardem in 'Biutiful' von Alejandro Gonzalez Inarritu und Elio Germano in 'Our Life' von Daniele Luchetti
  • Beste Darstellerin Juliette Binoche in 'Certified Copy' von Abbas Kiorastamis
  • Bestes Drehbuch Lee Chang-dong für 'Poetry'
  • Jury-Preis Mahamat-Saleh Haroun für 'A Screaming Man'
Bild: www.festival-cannes.com

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