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Bestseller Dawkins "Gotteswahn" in der Türkei vor Gericht

Richards Dawkins`Bestseller "Der Gotteswahn" ist eine Fundamentalkritik an die Religion und darf in keinem muslimischen Land erscheinen. Aber in der Türkei hat ein kleiner Verlag das Buch herausgebracht und wird nun wegen 'Aufhetzung des Volkes' angeklagt.

Das besagte Buch stellt Religion als schädlich dar, macht sich lustig über Glauben jedweder Art und wurde zum Verhängnis von Erol Karaarslan. Er, Verleger für Kinderbücher, der nie irgendetwas Wissenschaftliches oder Politisches gedruckt hatte, entschied sich den Bestseller in seinem Repertoire aufzunehmen. „Ich recherchierte über das Buch und fand, dass es Nr. 1 der Bestsellerlisten war“, sagt der Verleger. Also war es vermutlich ein gutes Geschäft und akzeptierte, wenngleich verwundert, „dass gerade wir den Vertrag bekamen“.

Und so wurde der kleine Verlag vor Gericht zitiert, denn der Artikel 216 des Strafgesetzbuches stellt die Aufhetzung des Volkes zum Hass und „Angriffe gegen Heilige Werte“ unter Strafe.
"Der Ermittlungsrichter sagte mir, 'wir nehmen Anzeigen gegen solche Bücher nicht gerne an'", so Karaarslan, "aber die Gesetze sind streng".

So treffen schlechte und gute Nachrichten aufeinander. Denn während der Prozess läuft, verkauft sich das Buch besser denn je: „Wir hatten nur eine Auflage, aber seit der Klage haben wir sechs neue Auflagen produziert und 15.000 Exemplare verkauft“, erklärt Karaarslan.

Und der Prozess wird zur kleinen Show: Ein Theologie-Professor wurde als Gutachter bestellt, welcher im Gutachten festhält: „Wir wissen alle, wozu die Mohamed-Karikaturen geführt haben." Dies beweise, dass solche Veröffentlichungen heikel seien und Dawkins’ Buch sei wesentlich provokanter als die Karikaturen. Dawkins gehe es nur um Provokation und das schädige „nationale Einheit und Zusammenhalt“.

Der Staatsanwalt, welcher den Gutachter rief, erklärte hingegen beim letzten Verhandlungstermin, der Angeklagte habe keine Straftat begangen, da Karaarslan das Buch nur veröffentlicht, nicht aber geschrieben habe. Ergo, Dawkins ist schuldig, kann aber nicht verklagt werden.

Keine Straftat würde also heißen die Anklage zurückzuziehen, aber man vertagt das Verfahren auf den 4. April. Und Karaarslan will Dawkins’ nächstes Buch verlegen, aber nur wenn er nicht verurteilt wird: „Jetzt würde ich mit einer Geldstrafe davonkommen, im Wiederholungsfall droht Haft.“

Wenn er aber freigesprochen wird – was sehr wahrscheinlich ist – dann ist Dawkins für den Kinderbuch-Verleger ein wahrer Schatz. „Die ganze Kontroverse ist prima Werbung, und alles gratis“, freut er sich. „Nur, es kann sein dass jemand eine Bombe wirft.“ Daher gibt es keine Bilder und auch die Adresse des Verlages ist im Internet nicht zu finden.

Und so resümiert der erste Verleger, der 'Gotteswahn' in einem muslimischem Land veröffentlichte: "Ich wäre noch vor vier Jahren für Dawkins’ Buch verurteilt worden. Aber seit dem gescheiterten Prozess gegen Orhan Pamuk will man in der Türkei möglichst keine berühmten Schriftsteller mehr verurteilen.“

Quelle: Welt-Online
Bild: midgard

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