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"Anonyma - Eine Frau in Berlin" und "Mein Freund aus Faro" - Kino im Oktober

Diesen Monat starten in den Kinos die deutschen Dramen "Anonyma - Eine Frau in Berlin" und "Mein Freund aus Faro". Beide Filme behandeln Frauenschicksale, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise. Die ernsten Themen kreisen um Gewalt und Angst am Ende des zweiten Weltkriegs sowie Identitätsfragen und das Erwachsenwerden in der heutigen Zeit.

In "Anonyma - Eine Frau in Berlin" verfolgt der Zuschauer das Schicksal der gleichnamigen jungen Frau (Nina Hoss), die im Frühjahr 1945 miterleben muss, wie die Rote Armee der Russen in Berlin einmarschiert und zahlreiche Frauen vergewaltigt. Auch die ehemalige Journalistin wird das Opfer eines solchen Übergriffs, aber die gebildete und starke Frau will nicht resignieren. Sie sucht Kontakt zum russischen Offizier Andrej (Jewgeni Sidikhin), der ihr fortan Schutz bieten kann. Die pragmatische Beziehung ist die einzige Rettung für die junge Frau, löst aber auch Gefühle in ihr aus, die sie nicht versteht.

Trailer zu "Anonyma - Eine Frau in Berlin"

Das packende Kinodrama "Anonyma" basiert auf der autobiografischen Vorlage einer bis heute anonym gebliebenen Autorin. Die massenhaften Vergewaltigungen durch russische Soldaten am Ende des zweiten Weltkrieges werden noch immer totgeschwiegen heute. Die Geschichte wird hier mit viel Respekt und glücklicherweise kitschfrei erzählt, die Glanzleistung aber vollbringt die Hauptdarstellerin Nina Hoss. Die Stuttgarterin, die schon so ziemlich alle deutschen Schauspielpreise in ihrem Schrank stehen hat, spielt sich hier die Seele aus dem Leib, um die innere Zerissenheit der "Anonyma" ins Bild zu bringen. Regisseur Max Färberböck kehrt damit neun Jahre nach dem Golden-Globe-nominerten "Aimée & Jaguar" erfolgreich zu den Frauenschicksalen des zweiten Weltkriegs zurück.

Die 22-jährige Melanie (Anjorka Strechel) kämpft in "Mein Freund aus Faro" hingegen mit ihrer eigenen Identität und dem Erwachsenwerden. Sie kleidet und gibt sich gerne wie ein Junge, kann ihrer Familie keinen Freund vorweisen und scheint letztlich auch unzufrieden mit sich selbst zu sein. Als sie eines Tages die 14-jährige Anhalterin Jenny (Lucie Hollmann) aufliest, hält diese Melanie für einen Jungen. Da ihr der Gedanke der Flucht gefällt, spielt sie mit und gibt sich fortan als Miguel aus Portugal aus. Das Gerüst aus Lügen und Täuschungen ist natürlich zum Einstürzen vorherbestimmt, vor allem, da Jenny sich in "Miguel" verliebt und Melanie ihrer Familie auch noch einen Arbeitskollegen als falschen Freund vorstellt.

Trailer zur Tragikomödie "Mein Freund aus Faro"

Was wie eine abgedroschene Fernseh-Nachmache von Hilary Swanks Oscar-Performance in "Boy Don´t Cry" (1999) klingt, ist tatsächlich eine für sich selbst stehende und absolut kinotaugliche Inszenierung. Regie-Debütantin Nana Neul bringt die Geschichte in "Mein Freund aus Faro" mit Gefühl und Humor voran, während die Chemie zwischen den Hauptdarstellern der pointierten Story das Sahnehäubchen aufsetzen. Das Drehbuch von Nana Neul gewann den begehrten Max Ophül Preis, nicht zuletzt, weil ihr die Gradwanderung zwischen heiterer Coming-of-Age- Geschichte und ernsten Identitätsproblemen in einzigartigen Dialogen gelungen ist.

Wenn sich die beiden Kinotipps also auch beide um das Schicksal von jungen Frauen drehen, so wird schnell klar, wie unterschiedlich sie sind. Ob durch die Aussprache der schockierenden Wahrheit oder die lustige Tragik einer verwirrten Identität, "Anonyma - Eine Frau in Berlin" und "Mein Freund aus Faro" garantieren anspruchsvolle Unterhaltung.

Quelle: kino.de
Bild: Anonyma.Film.de, MeinFreundausFaro.de

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