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Ab Donnerstag im Kino: "Das Mädchen Wadjda"

Haifaa Al Mansour hat mit ihrem Spielfilmdebüt "Das Mädchen Wadjda" den ersten Film in Saudi-Arabien gedreht. Der Film ist herausragend, weil er ein differenziertes und leichtfüßiges Gesellschaftsporträt des autokratischen Landes erzählt. Unter dem repressiven Regime versuchen Frauen, sich auf trickreiche Weise ein Stück Freiheit zu erkämpfen.

Der Inhalt:

Wadjda (Waad Mohammed) ist zehn Jahre alt und lebt zusammen mit ihrer Mutter (Reem Abdullah) in einem Vorort von Riad, der saudi-arabischen Hauptstadt. Seit dem Vater des Mädchens (Sultan Al Assaf) klar ist, dass er von seiner Frau keinen Sohn bekommen wird, ist sein Interesse an der Familie recht klein. Auf dem Weg zur Schule sieht Wadjda in einem Spielzeuggeschäft ein grünes Fahrrad - und sie will es haben. In Saudi-Arabien ist es Mädchen jedoch untersagt, Rad zu fahren. Abgesehen davon, hat sie aber auch kein Geld, um es sich zu kaufen. Wadjda will kämpfen und sich ihren Traum von dem Rad um jeden Preis erfüllen. Ihr Plan von dem verbotenen Verkauf selbst aufgenommener Mixtapes auf dem Schulhof fliegt leider auf und dem Mädchen droht sogar ein Schulverweis. Nun möchte sie den Koran-Rezitationswettbewerb gewinnen, weil dieser mit sehr viel Geld als Preis dotiert ist. Wadjda gewinnt den Wettbewerb auch tatsächlich, bringt es bei der Preisverleihung aber nicht über sich, zu lügen. Sie gesteht - ein großer Fehler, wie sich zeigen soll - sich von dem Preisgeld das grüne Fahrrad kaufen zu wollen. Wadjdas Mutter hingegen kämpft derweil um ihren Mann - dieser steht kurz davor, sich eine zweite Ehefrau zu nehmen.

Allein die Existenz des Films "Das Mädchen Wadjda" ist absolut bemerkenswert: In Saudi-Arabien sind öffentliche Filmvorführungen verboten, das Drehen von Filmen sowieso. Frauen sind in dem Königreich selbst die einfachsten Dinge untersagt. Der Jungregisseurin Haifaa Al Mansour, also ausgerechnet einer Frau, ist es nun gelungen, den ersten saudi-arabischen Film zu drehen - unter schwierigsten und riskanten Bedingungen wohlgemerkt und der Film hat es sogar bis zu den Filmfestspielen in Venedig geschafft.

Unterstützung erhielt Al Mansour von den deutschen Produzenten Roman Paul und Gerhard Meixner. In dem System, dass das Drehen von Filmen untersagt und Frauen und Mädchen keinerlei Rechte zugesteht, musste erstmal eine Hauptdarstellerin gefunden werden. Oftmals wurde mit versteckter Kamera gefilmt. Das allein macht den Film besonders. Es wäre aber falsch und schade, "Das Mädchen Wadjda" auf seine Entstehungsgeschichte zu reduzieren.

Die Story - eine Zehnjährige, die sich ein Fahrrad wünscht - mutet zunächst recht einfach an. Auch die Bildsprache ist schlicht, weil sie weitgehend nur die Ereignisse aufzeichnet. Die eigentliche Qualität des Films liegt in der undogmatischen Darstellung einer Gesellschaft, die für westliche Betrachter quasi unvorstellbar ist: Die Rolle der Frau ist in jeder Hinsicht eingeschränkt. Schleierzwang, Autofahr-Verbot, Abhängigkeit von Chauffeuren oder Ehemännern, Spielverbot für Mädchen selbst hinter Schulmauern - denn auch vom entferntesten Balkon könnte ein Mann die Frauen beobachten.

Haifaa Al Mansour zeigt aber nicht nur einfach mit dem Finger auf diese männlich geprägte, religiöse Seite Saudi-Arabiens. Die Jungregisseurin schildert auf eine absolut einnehmende Art und Weise, wie sich die Frauen des islamische geprägten Landes ihre persönlichen, kleinen Freiheiten im Alltag erkämpfen. 
Die zehnjährige Wadjda rebelliert gegen das System in Saudi-Arabien und ist wenig konform: Ihr Kopftuch trägt sie mit Nachlässigkeit und der Koran ist für sie eher Mittel zum Zweck. Ein kleines Mädchen kommt natürlich mit mehr durch als eine erwachsene Frau - Wadjdas Mutter muss sich deutlich mehr in Acht nehmen vor den Religionswächtern. Aber Wadjda wird von diesen kleinen Freiheitsmomenten stark geprägt und sie könnte zu einem der Menschen werden, die das Land langfristig verändern werden.

Die subtile Rebellion saudi-arabischer Frauen - Haifaa Al Mansours Spielfilmdebüt "Das Mädchen Wadjda" ist ein undogmatisches und differenziertes Gesellschaftsporträt eines Landes, das für die westliche Welt bisher weitgehend verschlossen und unverständlich blieb.

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